
Der Frauenfußball hat in den letzten Jahren enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. Was früher oft noch als Nebensächlichkeit betrachtet wurde, ist heute deutlich sichtbarer: größere Stadien, mehr TV-Übertragungen, steigende Umsätze, höhere Investitionen und ein wachsendes mediales und wirtschaftliches Interesse.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um ein gutes Gefühl oder den Eindruck, dass „mehr passiert". Der Fortschritt lässt sich inzwischen klar an Zahlen erkennen. Und genau diese zeigen: Der Frauenfußball steht an einem wichtigen Punkt. Das Wachstum ist da und jetzt geht es darum, daraus stabile und professionelle Strukturen zu machen.
Der Frauenfußball wächst auch wirtschaftlich
Ein Blick auf die Google Pixel Frauen-Bundesliga zeigt, wie deutlich sich der Markt entwickelt. In der Saison 2024/25 erzielte die Liga laut DFB mehr als 43 Millionen Euro Gesamterträge. Innerhalb von drei Jahren haben sich die Erträge damit mehr als verdoppelt. Auch der durchschnittliche Umsatz pro Klub stieg deutlich und lag letzte Saison bei rund 3,6 Millionen Euro. Vereine, Sponsoren und Medien erkennen zunehmend, dass hier ein Markt entsteht, der enormes Potenzial hat. Unter anderem bringen jetzt Topclubs wie Borussia Dortmund oder der FC Schalke 04 ihre Frauenmannschaften in den Profifußball ein. Erstgenannter machte diesen Sommer Schlagzeilen durch den Transfer der 145- fachen Nationalspielerin Alexandra Popp.
Spürbar ist der Wandel auch in der Gehaltsentwicklung. Das durchschnittliche monatliche Grundgehalt der Spielerinnen in der Frauen-Bundesliga lag in der Saison 2024/25 bei rund 4.500 Euro. Natürlich ist das im Vergleich zum Männerfußball weiterhin eine völlig andere Größenordnung, trotzdem zeigt die Entwicklung, dass sich die Rahmenbedingungen Schritt für Schritt verbessern.
Die Zuschauerzahlen wachsen
Besonders sichtbar wird das Wachstum auf den Tribünen. In der Saison 2024/25 kamen insgesamt 355.407 Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Spielen der Frauen-Bundesliga. Gleichzeitig wächst die Reichweite im Fernsehen. In Deutschland wurden alle 132 Spiele der Frauen-Bundesliga live übertragen. Zusätzlich liefen 32 Spiele im Free-TV. Diese Partien erreichten im Schnitt rund 370.000 Menschen. Das Topspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern München sahen sogar 1,87 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in der ARD.
Das sind Zahlen, die man ernst nehmen muss. Sichtbarkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass sich eine Liga langfristig entwickeln kann. Wer sichtbar ist, erreicht Fans. Wer Fans erreicht, wird für Sponsoren interessanter. Und wer wirtschaftlich stärker wird, kann mehr in sportliche Qualität investieren.
Auch international bewegt sich viel
Der Blick ins Ausland zeigt, dass die Entwicklung kein rein deutsches Thema ist. In den USA hat die NWSL einen Medienvertrag abgeschlossen, der mit rund 60 Millionen US-Dollar pro Jahr bewertet wird. Auch bei den europäischen Topklubs steigen die Umsätze. Laut Deloitte erzielten die 15 umsatzstärksten Frauenfußballklubs im Jahr 2025 zusammen 158 Millionen Euro Umsatz. Arsenal lag mit 25,6 Millionen Euro vorne, Chelsea kam auf 25,4 Millionen Euro, der FC Barcelona auf 22 Millionen Euro.
Diese Zahlen zeigen, dass Frauenfußball für große Klubs längst kein strategisches Thema mehr ist. Es geht nicht mehr nur darum, eine Frauenmannschaft zu stellen, sondern um in die ernsthafte Entwicklung dieser zu investieren.
Der Transfermarkt wird professioneller
Ein weiteres Indiz ist der Transfermarkt. Laut der FIFA wurden 2025 im internationalen Frauenfußball 2.440 Transfers professioneller Spielerinnen registriert. Die internationalen Transferausgaben erreichten mit 28,6 Millionen US-Dollar einen neuen Rekordwert. Und nicht nur einzelne Topclubs beteiligen sich. Laut FIFA waren 2025 insgesamt 756 Klubs an internationalen Transfers im Frauenfußball beteiligt. Das zeigt, dass die Entwicklung breiter wird und nicht nur an wenigen Spitzenvereinen hängt.
Auch hier gilt: Die absoluten Summen sind im Vergleich zum Männerfußball noch klein. Aber die Richtung ist eindeutig. Mehr Klubs investieren in Spielerinnen, mehr Transfers werden professionell abgewickelt und der Markt gewinnt an Struktur.
Die Basis wird größer
Nachhaltiges Wachstum entsteht aber nicht nur im Profibereich. Entscheidend ist auch, wie viele Mädchen und Frauen überhaupt Fußball spielen, trainieren, coachen oder Verantwortung übernehmen.
Ein Beispiel aus England: Dort ist die Zahl der Frauen und Mädchen, die Fußball spielen, zwischen 2020 und 2024 um 56 Prozent gestiegen. Gleichzeitig bieten inzwischen 77 Prozent der Schulen Mädchen gleichberechtigten Zugang zum Fußball. Auch die Zahl der weiblichen Coaches und Schiedsrichterinnen ist deutlich gewachsen. Wenn mehr Mädchen früh Zugang zum Fußball bekommen, mehr Trainerinnen ausgebildet werden und wenn Vereine bessere Strukturen schaffen, profitiert davon langfristig das gesamte Spektrum.
Fazit
Der Frauenfußball ist heute sichtbarer, professioneller und wirtschaftlich relevanter als noch vor einigen Jahren. Steigende Zuschauerzahlen, höhere TV-Reichweiten, wachsende Umsätze und mehr Transfers zeigen, dass der Markt größer wird. Jetzt heißt es, diesen Aufschwung in nachhaltige Strukturen umzuwandeln. Nur so kann aus der aktuell positiven Entwicklung ein fester Bestandteil des modernen Fußballs werden.