
Post-Analyse
Deutschland - Ecuador
WM | 3. Gruppenspiel
Julian Nagelsmann sprach vor dem Spiel gegen Ecuador davon, dass sich die deutsche Mannschaft in ihrem dritten Gruppenspiel für die K.-o.-Phase einspielen solle, weshalb nur die verletzungsbedingten Wechsel in der Startelf vorgenommen wurden.
In der Spielnachbetrachtung können Nagelsmann und sein Trainerteam einige Erkenntnisse gewinnen, die in der jetzt entscheidenden Phase des Turniers einen Mehrwert liefern könnten.
Dazu zählen folgende Punkte:
Stabilität im zentralen Mittelfeld
Das deutsche Team hat große Probleme, wenn der Gegner ein zweikampstarkes und aggressives Mittelfeld aufbietet, so wie es Ecuador oder die Elfenbeinküste taten. Es mussten viele Zweikämpfe geführt werden, was Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha nicht sonderlich liegt. Viele Bälle gingen an den Gegner. Eine Überlegung könnte daher sein, Joshua Kimmich neben Aleksandar Pavlović im Zentrum starten zu lassen. Dies wäre das Mittelfeld, das das Halbfinale der UEFA Champions League gespielt hat, Double-Sieger wurde und mit den weiteren Bayern-Spielern eine Achse wie im Verein bilden würde. Nathaniel Brown könnte stattdessen auf der Rechtsverteidigerposition spielen und David Raum links. Mit Felix Nmecha hätte man einen offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler, der bei Bedarf von der Bank kommen könnte.
Joshua Kimmich könnte im Zentrum mit seiner Mentalität wesentlich mehr Einfluss auf das Spiel und die Mitspieler nehmen als auf der rechten Abwehrposition. Das würde der Mannschaft sicherlich guttun. Auch wenn Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Aussagen zufolge vermutlich am defensiven Mittelfeld mit Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha festhalten wird, so ist es die Kernaufgabe dort, für mehr Stabilität und Balance zu sorgen.
Mehrere kleinere Themen – auf die Form kommt es an
Die Niederlage gegen Ecuador ist aufgrund des zuvor feststehenden Gruppensiegs ohne Auswirkung für die DFB-Elf. Die Art und Weise wirft jedoch Fragen auf. Gewiss haben die Südamerikaner ein starkes Spiel gemacht, aber Deutschland kann schlichtweg besser sein.
Einige deutsche Spieler haben nicht ihre Leistung abgerufen. Jonathan Tah und auch Manuel Neuer hatten einige ungewohnte Unachtsamkeiten im Stellungsspiel und sehen
beim spielentscheidenden Eckball zum 1:2 nicht gut aus. Kai Havertz und Jamal Musiala waren bemüht, aber letztlich ohne die richtig torgefährlichen Aktionen. Hervorzuheben sind der starke Leroy Sané, der in beide Richtungen sehr fleißig agierte, und Florian Wirtz, der viele enge Situationen mit der richtigen Lösung gemeistert hat. Grundsätzlich ist die gesamte Mannschaft mehr gefordert, die Spielaufbausituationen bei offenem Spielfluss mit früheren Tiefenläufen der Offensivspieler zu kombinieren, um hinter die gegnerische Abwehrkette und zu Torchancen zu kommen.

Grafik: GER – Spiel hinter die gegnerische Abwehrkette mit Tiefenläufen der Offensive
In der K.-o.-Phase kommt es nun darauf an, wer in welcher Form auftritt. Dies gilt für die einzelnen Spieler sowie für die gesamte Mannschaft. Deutschland hat in beide Spielrichtungen individuell, taktisch und bei der Mentalität im Zweikampf Luft nach oben.
Nachdem der Gegner im Sechzehntelfinale ungewöhnlich kurzfristig feststeht, wird auch die Vorbereitungszeit auf dessen Eigenheiten anders ablaufen. Diese Zeit kann das deutsche Team jedoch gut für sich nutzen, indem der Fokus auf die eigenen Baustellen und Stärken gelegt wird.
Drei Thesen von unserem Fachbereichsleiter Spiel- und Taktikanalyse Sebastian Friedl: