
Pre-Analyse
Deutschland - Elfenbeinküste
WM | 2. Gruppenspiel
Was kann Deutschland aus dem 7:1-Sieg gegen Curaçao mitnehmen?
Deutschland hatte mit dem frühen 1:0 durch Felix Nmecha einen guten Start ins Spiel – mit vielen weiteren Schüssen, die von Curaçao noch geblockt werden konnten. Das 1:1 durch das schnelle Umschalten von Curaçao offenbarte, wo das deutsche Team eine Schwachstelle hat. Nach einer Verlagerung und einem temporeichen Angriff gelang es nicht, rechtzeitig und entscheidend dazwischen zu gehen und den Rückraum durch das defensive Mittelfeld zu besetzen. Mit zunehmender Spieldauer kam Deutschland in der Folge über sehr gute Kontrolle und mit klarem Positionsspiel zu vielen herausgespielten Chancen. Die Tore wurden aus Standards, aus Ballbesitz sowie aus Umschaltmomenten nach Ballgewinn erzielt und obendrein von mehreren Torschützen. Das gibt rundherum Selbstvertrauen und Schwung für das nächste Spiel.
Was ist taktisch von der Mannschaft der Elfenbeinküste zu erwarten?
Die Elfenbeinküste wird nun aber definitiv eine schwerere Aufgabe als Curaçao. Deren 1:0-Sieg gegen Ecuador sehe ich als Zeichen ihrer Mentalität. Sie erzielten das Siegtor in der 90. Minute, unbeeindruckt von 3:1-Aluminiumtreffern für Ecuador zuvor.
Damit gewann die Elfenbeinküste ihr viertes Länderspiel hintereinander. Drei dieser Siege gelangen gegen Mannschaften aus den Top-25 der FIFA-Weltrangliste, darunter am 4.6. ein 2:1 gegen Frankreich!
Trainer der Ivorer ist der ehemalige Nationalspieler Emerse Faé. Während des Afrika-Cups 2024 wurde er Nationaltrainer der Elfenbeinküste und führte die Mannschaft zum Titelgewinn. Seine Spielphilosophie basiert meist auf einer Viererkette und auf einer strukturierten, taktisch disziplinierten Ordnung. Je nach Spielverlauf bildet sich diese dynamisch in ein 4:4:2, 4:2:3:1 oder 4:1:4:1 aus, wobei die Ivorer nach Balleroberung auf schnelle Konterangriffe über die Flügel setzen. Im Spiel mit dem Ball agieren sie zumeist in eingespielten Abläufen und Positionswechseln, behalten aber auch hierbei eine geordnete Struktur bei.
Was macht Mannschaft und Einzelspieler der Elfenbeinküste aus?
Das Team der Elfenbeinküste hat einen starken Kader, der sich vor allem aus Spielern europäischer Klubs zusammensetzt. Darunter sind Klassespieler von Top-Klubs aus England, Deutschland oder Italien. In der Nationalmannschaft paart Trainer Faé diese individuelle Klasse mit einer klaren Struktur.
Ein Top-Talent, oder eigentlich besser schon ein Star ist der 19-jährige Yan Diomande von RB Leipzig. In der vergangenen Saison hat der agile Offensivspieler seine Gegenspieler in der Bundesliga inklusive der Bayern-Abwehr regelmäßig vor unlösbare Probleme gestellt. Dies gelang ihm im WM-Gruppenspiel gegen Ecuador ebenfalls, etwa gegen Piero Hincapié (Arsenal, zuvor Bayer Leverkusen), der Champions-League-Top-Niveau hat. Was der Mannschaft aber fehlt, ist ein klarer Mittelstürmer wie Didier Drogba es früher war.
Mit Franck Kessié (Al-Ahli, Champions League Sieger Asiens 2025 & 2026) und Seko Fofana (FC Porto) schicken sie ein extrem kampfstarkes defensives Mittelfeld ins Match.
Die Stamminnenverteidiger Evan Ndicka (AS Rom) und Odilon Koussounou (Atalanta Bergamo) sind noch nicht wieder richtig fit und haben gegen Ecuador gar nicht bzw. nur kurz gespielt. In der kompletten WM-Qualifikation schafften sie es, ohne Gegentor zu bleiben.
Was bedeutet das für Deutschland?
Auch wenn die DFB-Elf die Mannschaft der Elfenbeinküste nicht unterschätzen darf, so ist das deutsche Team in allen Mannschaftsteilen stärker einzuschätzen. Es klingt zwar nach einer Floskel, aber tatsächlich müssen die Spieler von Julian Nagelsmann in erster Linie die Zweikämpfe gegen die physisch robusten Ivorer annehmen. Gelingt ihnen das, kommen sie zu mehr Ballbesitz, Kontrolle und Spielanteilen. Daraus können insbesondere Florian Wirtz, Jamal Musiala oder der agile Felix Nmecha in den offensiven Halbräumen mit ihrer feinen Technik für die entscheidenden Situationen sorgen, die dann zum Torschuss oder finalen Pass führen können. Einzusetzen sind diese Spieler beispielsweise über den Spielaufbaumechanismus „innen – außen – innen“, bei dem vom Zentrum nach außen und wieder ins Zentrum gespielt wird. So wird der Abwehrblock der Elfenbeinküste bewegt und es entstehen Lücken und Zwischenräume zwischen den Linien, die auch Linksverteidiger Nathaniel Brown mit seinen spielerischen Qualitäten zu nutzen weiß.
