
Der FC Bayern München gastiert zum Achtelfinal-Hinspiel in der UEFA Champions League bei Atalanta Bergamo. Wir werfen einen Blick auf die Italiener und analysieren, worauf die Bayern am Dienstagabend besonderes Augenmerk legen sollten.
Was macht Atalanta für die Bayern gefährlich?
Atalanta Bergamo zählt nicht zu den „großen“ Namen des italienischen Klubfußballs. Allerdings gelingt es dem Team aus der Lombardei in den letzten Jahren beständig, national sowie international Ausrufezeichen zu setzen. Ein Highlight: der Sieg in der UEFA Europa League 2023/24, als sie im Finale Bayer 04 Leverkusen unter Xabi Alonso mit 3:0 bezwangen. Einige der Europa-League-Sieger sind immer noch für Bergamo am Ball.
Das Duell Atalanta Bergamo vs. FC Bayern gab es noch nie. Aber die Italiener weisen eine gute Bilanz gegen deutsche Gegner auf: 7 Siege, 4 Unentschieden, 3 Niederlagen.
Da Atalanta den BVB in den Playoffs der Champions League nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel in Dortmund mit einem 4:1-Erfolg im eigenen Stadion aus dem Wettbewerb warf, sind die Bayern gewarnt.
Zu Recht: Der FC Bayern muss über die gesamte Spieldauer und bis zur letzten Sekunde konzentriert bleiben, denn Atalanta hat in den letzten Spielen regelmäßig in der Schlussviertelstunde bzw. in der Nachspielzeit getroffen. Zudem bewies Bergamo zuletzt starke Moral: Sie sind gegen den BVB und gegen Udine nach Rückstand zurückgekommen und konnten dabei in der heimischen Liga sogar Leistungsträger wie Éderson, Berat Djimsiti und Marten De Roon schonen.
Wer sind die Schlüsselspieler bei den Italienern?
Torgefährlichster Mann ist Stürmer Gianluca Scamacca, der in diesem Kalenderjahr sechs seiner insgesamt zwölf Saisontore erzielte (acht in der Serie A, drei in der CL, eines im Pokal). Mit 1,95 m Größe kommt ein echter und wuchtiger Stoßstürmer auf die bayerische Abwehr zu, der immer wieder gut mit vertikalen Bällen aus dem Mittelfeld eingesetzt wird.
Im Mittelfeld sticht der Brasilianer Éderson heraus, der mit seiner Dynamik und Intensität maßgeblich das Gesicht und die Spielweise von Atalanta prägt.
Außerdem tritt der 22 Jahre junge Lorenzo Bernasconi auf der linken Flügelverteidigerposition immer wieder auffällig in Erscheinung. Er kommt aus der eigenen Jugend und sorgt er über den Flügel mit seinem Tempo für viele Aktionen in beide Richtungen. Mit beidfüßig sehr ordentlicher Technik schlägt er mit links brandgefährliche Flanken auf die Stürmer.
Im Tor steht der 25-jährige Marco Carnesecchi, der diese Saison bislang sowohl auf der Linie als auch im Spielaufbau starke Leistungen zeigte. Auch er stammt aus der Atalanta-Jugend.
Welche ist Bayerns wirksamste Waffe gegen Atalanta?
Atalantas Innenverteidiger der Dreierkette offenbarten zuletzt häufig Probleme gegen dribbelstarke Gegenspieler. Bringt sie der FCB im Halbraum in Position, können Luis Díaz oder Michael Olise im Dribbling nach innen ihre Stärken ausspielen. Entweder sie kommen selbst zum Abschluss oder sie bedienen in der Mitte Harry Kane, der gegen den zentralen Innenverteidiger Isak Hien klar im Vorteil ist.

Grafik: Beispiel-Spielzug FCB: Die Innenverteidiger sind recht anfällig gegen Dribbler. Wenn also Olise oder Diaz gegen die äußeren von den drei IVs ins eins gegen eins gehen, dann ist Kane Hien, dem mittleren IV, definitiv überlegen. Also vorbei, auf die Grundlinie, flacher Pass ins Zentrum und Harry wird’s schon richten
Welches Hinspiel erwarte ich?
Ich erwarte, dass Atalanta in zwei verschiedenen Modi agieren wird:
Zum einen werden sie – getrieben von der Unterstützung ihrer leidenschaftlichen Fans – versuchen, die Bayern mit intensivem Anlaufen sowie physischer Intensität und im hohen Pressing zu Fehlern zu zwingen. Die Bayern werden einige Zeit benötigen, um sich anzupassen und um dann immer wieder auch mit hohen Bällen die aufgerückten Italiener zu überspielen.
Zum anderen wird Atalanta phasenweise einen zurückgezogenen Defensivverbund mit Fünferkette und kompaktem Mittelfeld aufziehen, um den Münchnern wenig Raum in Tornähe zu geben. Bei entstehenden Ballgewinnen kontern sie überfallartig, worauf sich wiederum der FC Bayern mit einer strukturierten Restverteidigung vorbereiten muss.
Wer ist warum Favorit?
Für mich ist und bleibt der FC Bayern der Favorit in diesem Champions-League-Achtelfinale. Die Münchner haben eine enorm starke Offensive, die jederzeit in der Lage ist, Atalanta Bergamo zu knacken. Eine wichtige Rolle spielt natürlich Harry Kane, da er mit acht Treffern in der laufenden CL-Saison treffsicherster Münchner ist. Aber selbst ohne ihn sind die Bayern stark, wie das 4:1 gegen Gladbach am vergangenen Freitag zeigte.
Außerdem haben Sie über die gesamte CL-Ligaphase gezeigt, dass sie die international geforderte Intensität beherrschen (2. Platz mit 21 von 24 möglichen Punkten, 22:8 Tore).
Dank des Vorsprungs in der Bundesliga können sie zudem am kommenden Wochenende die Belastung dosieren, um so im Rückspiel in München nächste Woche den Einzug ins Viertelfinale perfekt zu machen.
Atalanta ist momentan Siebter der Serie A und droht den Anschluss an die internationalen Plätze zu verlieren. Das 2:2-Unentschieden am vergangenen Samstag gegen Udine (10.) war zu wenig. Insofern ist das Champions-League-Duell mit dem FC Bayern für Atalanta Bergamo auch finanziell sehr wichtig.