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„Wir brauchen wieder eine 4:0-Mentalität“

„Wir brauchen wieder eine 4:0-Mentalität“

IFI-Direktor Florian Kainz hat sich in einem großen Interview mit dem Münchner Merkur zur Arbeit des Internationalen Fußball Instituts und zu aktuellen Themen im Fußball geäußert. Kainz sprach unter anderem über Wissenschaft im Fußball, Max Eberls Forderung nach einer Ausbildung für Sportdirektoren und eine europäische Super-Liga.

 

IFI-Direktor Florian Kainz bezog unter anderem Stellung…

 

…zu Oliver Bierhoffs Aussage, die neue DFB-Akademie solle das „Silicon Valley“ oder „Havard“ des deutschen Fußballs werden:

„Ich denke, er möchte damit unterstreichen, dass der DFB mit der Akademie Vorreiter sein will. Und das sollte auch der Anspruch sein: Vorreiter im Weltfußball. Manchen sind diese Begriffe vielleicht zu wissenschaftlich, deshalb ist es wichtig, den Anwendungsbezug in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist essentiell zu verstehen, dass sich der DFB mit der Akademie die Möglichkeit eröffnet, analytische Komponenten in sämtliche Überlegungen mit einzubeziehen. Diese sollen jedoch nicht verkomplizieren, sondern dazu führen, entscheidende Veränderungen auf den Platz zu bekommen.“

 

…zu den Gründen für das Fehlen von 1:1-Spielern im deutschen Fußball:

„Man lässt in der Ausbildung kaum zu, dass sich charakterstarke Individualisten entwickeln. Man neigt zu einer Gleichförmigkeit, stülpt über unsere Spieler oftmals ein System. Wenn wir wieder mehr Persönlichkeitsentwicklung fördern, wird dieses Problem zu beheben sein. Man muss zulassen, dass der eine Spieler anders ist als der andere.“

 

…zur Entwicklung von Persönlichkeiten in den NLZs:

„Eine Persönlichkeit liegt tief begründet. Man muss aufpassen, welche Spitzen man ihr nimmt. Nehmen wir als Beispiel Leroy Sané. Der fliegt mir immer zu schnell von der Tischkante. Auch ein Timo Werner, der auf mich sehr geradlinig wirkt, verdient mehr Wertschätzung. Wir sollten darüber diskutieren, ob unsere Nachwuchstalente zu sehr hofiert werden und sich zu wenig erarbeiten müssen. Es stellt sich die Frage: Wie gierig bist du? Reicht dir mal ein Unentschieden? Oder willst du unbedingt den Sieg und diesen dann auch in der maximalen Höhe? Ich meine: Wir brauchen wieder mehr Siegertypen. Mit einer 4:0-Mentalität!“

 

…Eberls Forderung nach nach einer Ausbildung für Sportdirektoren im Fußball:

„Die Aus- und Weiterbildung im professionellen Fußball ist bei uns ein zentrales Leistungsfeld. Wir bieten in Kooperation mit der Hochschule für angewandtes Management den Studiengang Fußballmanagement an. In Ismaning, Berlin, Unna und Hamburg. Das Interesse daran ist enorm. Es wird in Zukunft in der Regel nicht ausreichen, allein eine sportliche Vergangenheit mitzubringen. Um als Sportdirektor erfolgreich und überzeugend zu sein, werden zum Beispiel auch Kenntnisse im Transferwesen, im Vertragsrecht, bei Sprachen sowie Einblicke ein wirtschaftliches Grundverständnis.“

 

zu einer möglichen, europäischen Super-Liga:

„Aus meiner Sicht geht es eindeutig in diese Richtung. Ich beschäftige mich deshalb bereits seit zwei, drei Jahren intensiv mit den Fragen: Wie müsste sie aussehen? Wie würde sie sich auf die deutschen Ligenstrukturen auswirken? Was würde sie für den Spitzenfußball bedeuten? Fakt ist: Wir haben in den Top-Ligen überall die Situation, dass wenige Teams die Titel unter sich ausmachen. Ob deshalb aber eine ‚Europa-Liga’ von der Masse angenommen würde, ist schwer vorauszusagen. Das würde sicherlich stark von der Gestaltung der gesamten Fußballlandschaft in Europa abhängen.“

 

Das komplette Interview mit Prof. Dr. Florian Kainz lesen Sie in der heutigen Ausgabe des Münchner Merkur