News

Sportrechtsexperten diskutieren auf dem 8. Sportrechtskongress über die aktuellen Compliance-Regelungen im Sport /  André Kohlhepp, DFB-Abteilungsleiter Interne Revision: „Das Thema hat Fahrt aufgenommen“

Sportrechtsexperten diskutieren auf dem 8. Sportrechtskongress über die aktuellen Compliance-Regelungen im Sport / André Kohlhepp, DFB-Abteilungsleiter Interne Revision: „Das Thema hat Fahrt aufgenommen“

Beim 8. Sportrechtskongress des Internationalen Instituts für Fußballmanagement (IFI) und der Hochschule für angewandtes Management, der am Dienstag unter dem Motto „Compliance im Sport“ im Hamburger Bankhaus Donner & Reuschel stattfand, setzten sich 40 Sportrechtsexperten kritisch mit den aktuellen Compliance-Regelungen auseinander. Dabei gelang es ihnen, in vielen Fällen Klarheit in eine scheinbar unklare Gemengelage zu bringen.

Nach der Begrüßung durch die Gastgeber Lars Bachmann (Donner & Reuschel) und Prof. Dr. Christian Quirling (IFI) ging Rechtsanwalt Dr. Frederik Wiemer (Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek) auf aktuelle Rechtsfragen ein. Dabei stellte er Compliance als schillernden Rechtsbegriff dar. „Bei Foulspiel wird gepfiffen“, erklärte er in der Fußballsprache. „Was früher gesunde Härte war, ist heute böses Foul, auch bei Nickligkeiten gibt es Platzverweis.“ Ob wir einen Compliance-Overkill in Deutschland und Europa haben? „Jein“, urteilt Wiemer. „Ja, es gibt sehr viele und sehr komplizierte Regeln. Aber wenn man es mal durchdenkt, machen die meisten davon doch Sinn. Trotzdem muss es klare Regelungen geben, insbesondere im Hospitality-Bereich lässt man die Leute einfach alleine mit zu vielen unbestimmten Rechtsbegriffen.“

Um der Rechtsunsicherheit in der Gesellschaft entgegenzuwirken, fordert Wiemer: „Der Gesetzgeber muss hier einfach klarere Rechtsbegriffe schaffen, an die man sich halten kann. Die Graubereiche sind zu weit.“ Von hohen Bußgeldern, die lediglich zur Abschreckung dienen sollen, hält er wenig: „Die unverhältnismäßigen Sanktionen sind ein Problem. Da müssen auch Behörden mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen. Abschließend rät er Unternehmen dringend, ein Compliance Management System zu installieren, insbesondere für Geschäftsführung und Vorstände, das jedoch immer auch der Vereins- oder Verbandsgröße angepasst sein sollte: „Es ist kein Hexenwerk, sich zu schützen.“

Ganz offen und selbstkritisch äußerte sich André Kohlhepp, Abteilungsleiter Interne Revision beim DFB, zum Umgang mit dem Thema Compliance innerhalb des größten nationalen Sportfachverbands der Welt. „Wir sind aktuell in einer Phase, in der wir bei dem Thema sehr viel machen wollen und auch tun. Der DFB wird weiterhin sehr stark kritisch beobachtet. Compliance steht bei uns schon seit einigen Jahren auf der Agenda, richtig Fahrt nahm die Thematik insbesondere in den letzten drei Jahren auf, als die Vorwürfe rund um die WM-Vergabe 2006 bekannt wurden.“

Der DFB reagierte unter anderem mit einer kompletten Neuausrichtung seiner internen Kontrollsysteme. Mit zukunftsorientierter und transparenter Arbeit versucht er, seine Reputation wiederherzustellen: „Wir haben sehr gute Ansätze. Und ich hoffe, dass dies auch in der Öffentlichkeit so ankommt.“

Kimberly Morris, die FIFA-Geschäftsführerin für den Bereich Transfer Matching System Global Tranfers & Compliance Legal & Integrity Division, lobte die deutschen Vereine und Verbände generell für ihre Transparenz und Zuverlässigkeit: „Sie sind gute und verlässliche Partner.“ Zugleich gab die Kanadierin spannende Einblicke in interne Prozesse globaler Transfers. „Die Idee ist zwar, dass wir der Regulator sind, aber das heißt nicht, dass wir nicht auch mit den Verbänden und Vereinen interagieren wollen. Für alle Akteure ist nur wichtig zu wissen: Wenn man nicht das Richtige tut, gibt es eine Strafe.“