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„Leadership-Qualitäten sind gefragt“

„Leadership-Qualitäten sind gefragt“

Im Mai startet des neue Institutszertifikat „Führungskompetenz im Fußball“, das sich vorrangig an Trainer richtet. Dass es auf diesem Themengebiet auf allen Leistungsebenen riesigen Nachholbedarf gibt, macht IFI-Direktor Florian Kainz im Interview deutlich. Und erklärt dabei auch, warum für ihn bei einem modernen Coach im Fußball die Qualifikation Führungskompetenz noch mehr wiegt als taktisches Verständnis.

 

Was zeichnet einen guten Trainer aus?

Im Wesentlichen die Schlüsselqualifikationen, um erfolgreich zu sein. Diese zeigen sich in seinem Verhalten seinem Trainerteam gegenüber, aber auch in seinem Umgang mit der Mannschaft. Leadership-Qualitäten sind gefragt. Aber auch ein gewisser Weitblick, Gelassenheit und Ruhe bei der Entscheidungsfindung sind wichtige Komponenten. Dazu kommt natürlich die Fachkompetenz – also zu wissen, wie inhaltlich Fortschritte erzielt werden.

 

Was ist wichtiger: Taktisches Verständnis oder Führungskompetenz?

Beides ist wichtig. Aber wenn ich mich bei der Trainerbesetzung entscheiden müsste, wen ich einstelle, würde ich zu dem Trainer tendieren, der die Führungskompetenz besitzt.

 

Warum?

Weil ich davon ausgehe, dass es nur noch in Kompetenzteams funktioniert, eine sehr erfolgreiche Mannschaft führen zu können. Die Fachkompetenz kann sich ein Cheftrainer auch gezielt dazu holen. Die Führungskompetenz muss aber vorhanden sein, um seine Mannschaft in eine gewisse Richtung ausrichten zu können.

 

Früher zeichneten Führungskräfte im Fußball oft ein bestimmtes Alter und Lautstärke aus. Hat sich das Bild der Führungskraft grundlegend verändert?

Das würde ich schon sagen, ja. Ich glaube, dass die moderne Führungskraft sehr teamorientiert agieren, die Leute auf eine Reise mitnehmen und inhaltlich überzeugen muss. Sie muss klar und gut argumentieren können und gleichzeitig Konfliktlinien früh erkennen, um auf diese frühzeitig eingehen zu können. Das ist ganz entscheidend für eine moderne Führungskraft. Zudem über die Stärke zu verfügen, sich die Kompetenzen im eigenen Trainerteam zu Nutze zu machen und diese nach vorne auszurichten. Außerdem ist es wichtig, auf Mannschaftsimpulse zu hören – und nicht strikt etwas vorzugeben und kein rechts und kein links gelten zu lassen.

 

Meinungen zulassen als Zusatzqualifikation?

So kann man es ausdrücken. Von einer modernen Führungskraft wird Moderationsfähigkeit gefordert. Das Wort mag im Fußball – wenn man die alte Führungsphilosophie zugrunde legt, möglicherweise irritierend erscheinen, aber die Empathiefähigkeit sehe ich als ganz entscheidendes Qualitätsmerkmal an.

 

Wie viele moderne Führungskräfte gibt es im Fußball bereits?

Ohne einzelnen Trainern zu nahe treten zu wollen: Ich sehe im Fußball nicht besonders viel ausgeprägte Führungskräfte. In diesem Bereich gibt es enormen Nachholbedarf. Speziell in den Themenfeldern Teamentwicklung, Konfliktmanagement und Moderation muss wesentlich mehr gearbeitet und ausgebildet werden. Jedoch muss dabei stark differenziert werden.

 

Wonach?

Von einem Trainer, der im absoluten Leistungssegment unterwegs ist, werden andere Kompetenzen verlangt als von einem Trainer, der im durchaus leistungsorientieren Fußball-Nachwuchs tätig ist. Und ein Trainer, der im Amateur- oder gar im Breitensport arbeitet, trifft wiederrum auf andere Erwartungen, mit denen er umgehen muss. Alle Trainer benötigen eine hohe Führungskompetenz für ihre Bereiche, ihre Ausprägung unterscheidet sich jedoch sehr.

 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Gerne. Wenn ich als Trainer für Kinder im Breitensport arbeite, wird von mir eine hohe Kompetenz im Umgang mit Eltern gefordert – und nicht nur im Umgang mit den Kindern der Mannschaft. Da geht es um Elterngespräche, organisatorische Aspekte, ja, um das Zusammenspiel im gesamte Verein. Da ist der Trainer gleichzeitig ein Akquisiteur. Diese Aufgabe wird einem Trainer in einem Nachwuchsleistungszentrum weniger zu Teil. Und auf den Bundestrainer kommen dann nochmal ganz andere Aufgabenstellungen zu. Deshalb ist es mir wichtig herauszustellen, dass die Grundkompetenz bei allen Führungskräften ähnlich, der Umgang mit Stakeholdern aber völlig anders ist.

 

Im Bereich der Führungskompetenz liegen also mehr als die sprichwörtlichen „letzten drei bis fünf Prozentpunkte“ brach?

Auf alle Fälle. In unseren Systemen wurde auf die Themen Führung und Sportpsychologie wenig Wert gelegt. Deswegen gibt es da diesen riesigen Nachholbedarf.

 

An welchem Trainer könnten sich aufstrebende Trainer im Bereich der Führung orientieren?

Da benenne ich gerne Ottmar Hitzfeld, der sehr viel von dem in seine Arbeit miteingebracht hat, von dem ich gesprochen habe. Er hat seine Mannschaften erfolgreich entwickelt. Indem er mit seinen Teams sehr einvernehmlich umging. Er hat es sehr gut verstanden, Energien zu bündeln und nach vorne auszurichten. Und genau darum wird es im modernen Fußball gehen.

 

Hier gibt es alle Informationen und auch die Möglichkeit zur Anmeldung zum Institutszertifikat „Führungskompetenz im Fußball“: https://www.international-football-institute.com/course/institutszertifikat-fuehrungskompetenz-im-fussball